Mit einem außergewöhnlichen Galakonzert eröffnete Boris Giltburg am 1. August 2026 den Internationalen Klavierwettbewerb Ettlingen. Steffi und ich durften im prachtvollen Asamsaal des Ettlinger Schlosses einen Klavierabend erleben, der musikalisch ohne Weiteres mit den großen Konzertsälen der Welt mithalten konnte.
Boris Giltburg verbindet mit Ettlingen eine lange Geschichte. Bereits 1996 gewann er als Jugendlicher beim damaligen Internationalen Wettbewerb für junge Pianisten den zweiten Preis. Zwei Jahre später trat er bewusst in der älteren Kategorie an, gewann dort den ersten Preis und ist bis heute der jüngste Teilnehmer, dem dies gelang. Inzwischen konzertiert er regelmäßig in Häusern wie dem Concertgebouw Amsterdam, der Elbphilharmonie, der Carnegie Hall und dem Wiener Konzerthaus.
Umso schöner war es, ihn nun als international gefeierten Pianisten an den Ort seiner frühen Erfolge zurückkehren zu sehen.
Das Programm war ebenso anspruchsvoll wie eindrucksvoll: Bachs monumentale Chaconne d-Moll in der Bearbeitung von Ferruccio Busoni, die große h-Moll-Sonate von Franz Liszt, sechs Préludes aus Rachmaninows Opus 23 und schließlich Maurice Ravels „Gaspard de la nuit“.
Schon in der Chaconne beeindruckte Giltburg mit großer Klarheit und einem beinahe orchestralen Klang. Auch die Liszt-Sonate wurde bei ihm nicht zum bloßen Virtuosenstück. Trotz aller technischen Brillanz blieb stets die große musikalische Linie spürbar. Die ausgewählten Préludes von Rachmaninow zeigten anschließend seine enorme klangliche Bandbreite: kraftvoll und rhythmisch präzise, zugleich aber immer wieder von großer Ruhe und Gesanglichkeit.
Der Höhepunkt des Abends war für mich Ravels „Gaspard de la nuit“, eines der technisch und musikalisch anspruchsvollsten Werke der gesamten Klavierliteratur.
In Ondine glitzerte und strömte das Wasser in unzähligen Klangfarben. Die Musik wirkte leicht, beweglich und vor allem wunderbar gesanglich. Le Gibet entfaltete mit seinem unerbittlich wiederkehrenden Glockenton eine beklemmende, fast körperlich spürbare Atmosphäre. Und in Scarbo wurde Giltburgs Spiel quirlig, unberechenbar und bedrohlich – dabei von einer Präzision und Leichtigkeit, die die kaum vorstellbaren technischen Schwierigkeiten beinahe vergessen ließ.
So gesanglich, schillernd und zugleich dämonisch habe ich dieses Werk live bislang noch nie gehört.
Der Abend machte zugleich deutlich, welch bemerkenswerte kulturelle Leistung der Internationale Klavierwettbewerb Ettlingen seit fast vier Jahrzehnten darstellt. Dass eine Stadt von der Größe Ettlingens einen Wettbewerb von solchem internationalen Rang ausrichtet und jungen Talenten ein Sprungbrett für große Karrieren bietet, ist alles andere als selbstverständlich. Auch Pianistinnen und Pianisten wie Lise de la Salle und Lang Lang feierten hier früh bedeutende Erfolge.
Boris Giltburgs Rückkehr als gereifter Weltklassepianist war dafür das schönste Beispiel. Ein großartiger Künstler, ein begeisterndes Programm und die einzigartige Atmosphäre des Asamsaals machten diesen Abend zu einem besonderen Erlebnis – und zu einem weiteren Beweis dafür, dass musikalische Weltklasse manchmal ganz nah zu finden ist: mitten in Ettlingen.